Burg“Einblicke“ – „Altarnische“ im „Ostpalas“ auf der Oberburg

Auf der Oberburg von Burg Lichtenberg befindet sich der sogenannte „Prinzen-„ oder „Ostpalas“.

In der östlichen Giebelwand dieses Gebäudes ist eine sogenannte Hauskapelle in Form einer Altarnische vorhanden – doch was ist es genau? Dieser Frage soll hier nachgegangen werden.

Hauskapellen sind wie Tor- und Turmkapellen in einen anderen Baukörper eingegliedert.

Bei diesen Gebäuden handelt es sich ganz allgemein gesprochen um Wohnhäuser. Es spielt keine Rolle, ob es ein in einer Stadt gelegenes Bürgerhaus oder einen Palas oder Wohnturm in einer Burg betrifft. Hauskapellen können einen ganzen Saal einnehmen oder nur aus einer häufig zum Raum hin verschließbaren Altarnische bestehen.   Von außen sind Altarnischen meist mittels Erker oder Fenster baulich gekennzeichnet, was ihnen eine repräsentative Note verleihen kann.

Das Aufkommen der Hauskapellen lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen und wird mit einem Wandel in der Frömmigkeit erklärt.

Der Glaube der Laien verfestigte sich nicht zuletzt aufgrund der Kreuzzüge, so dass sich im Alltag Geistlichens und Weltliches durchdrangen. Dies hat auch in der Bauform seinen Ausdruck gefunden, indem Sakral- und Profanraum in der Hauskapelle zu einer Einheit verbunden wurden.

Im sogenannten Ostpalas der Oberburg der ursprünglich gräflich-veldenzischen Lichtenberg werden, basierend auf einem Inventar von 1625, die Wohnräume des Burgherrn vermutet. Dort ist in der östlichen Giebelseite im Erdgeschoss eine Hauskapelle in Form einer Altarnische eingefügt. Auf der Aussenseite der Giebelmauer, also von Osten gesehen, erweist sich die Altarnische als flacher, auf Konsolen vorkragender Erker.

Die Öffnung zum Altarerker besteht aus einem hohen und breiten, leicht angespritzten Bogen Früher war die Erkeröffnung vermutlich durch hölzerne Flügeltüren verschließbar und konnte auf diese Weise vom profanen Saalbereich geschieden werden. Der Bogen verdeckt links und rechts in den Nischeninnenseiten einen zur Aufbewahrung der liturgischen Ausstattung dienenden (verschließbaren?) Wandschrank sowie Piscina (Wasserbecken, in welchem der Priester Hände und Kelch wusch).

Zentral in der Rückwand der Nische eingelassen befindet sich eine weitere kleinere rundbogige Nische.

Sie ist mit einem hochrechteckigen Fenster sowie auf der Innenseite mit einer abgeschrägten Sohlebank ausgestattet. Gerade die Rückwand dieser Innennische zeichnet sich durch eine besonders sorgfältige Ausführung des Mauerwerks aus – im Gegensatz zu der ansonsten am Ostgiebel angewendeten Mauertechnik. Das Erdgeschoss könnte laut Tenor der jüngsten Forschungen anhand der außen je paarweise mit spitzbogigem Blendwerk versehenden Fenster (an der nördlichen Langseite des Ostpalas) stilistisch ungefähr in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werde. Der Altar im Ostpalas, d.h. die Hauskapelle, wird 1444 in einer Kellerei-Rechnung zusammen mit der Kapelle in der unteren Burg erwähnt. Im Erdgeschoss-Saal des Ostpalas, zu dem sich der Altarerker öffnet, erhielten zu dieser Zeit offenbar ein größerer Kreis von Burgbewohnern am Gründonnerstag und am Ostersonntag die Vollkommunion, d.h. das Abendmahl in zweierlei Gestalt mit Brot und Wein. Ansonsten dürfte die Hauskapelle der privaten Andacht der gräflich-veldenzischen Familie samt vielleicht noch einem kleinen Personenkreis aus der engeren Umgebung der Veldenzer vorbehalten gewesen sein.

Quelle:

Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz 107. Band, Speyer 2009

Recherche Andreas Rauch, Burgverwaltung

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