Burg“Einblicke“ – Der „Reibestein“

Als im Jahre 2021  die Sicherheitsbeleuchtung auf der „Unterburg“ installiert wurde mußte für die elektrische Leitung ein Graben ausgehoben werden.

Im Schutt fiel ein ovaler Stein auf, welcher nicht natürlichen Ursprungs schien.  Klar sichtbar sind feine Hauspuren welche die Oberfläche aufrauen. Der Stein wurde „gepickt“.  Das Gewicht beträgt ca. 5,4 Kilogramm, die Masse sind ca. 22 cm Länge und 13 cm im Durchmesser. Das eiförmige Gebilde besteht aus dem hier vorkommenden „Kuselit“.

Die Liegetiefe lässt sich nicht mehr genau bestimmen, dürfte aber zwischen 30 und 40 cm gewesen sein.

Bei erster Betrachtung ging man davon aus, dass es sich um ein mittelalterliches Wurfgeschoss handeln könnte.

Als im Jahre der 2025 der entsprechende Experte und Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung Dr. Michael Kirchschlager den Stein zur Begutachtung vorgelegt wurde hegte er starke Zweifel an dem Zweck als Wurfgeschoss.

Vielmehr ordnete er den Gegenstand als „Mittelalterlicher Reibestein“ also ein Utensil der Küche ein.

Ein Reibestein diente Mahlen, Reiben und Zerkleinern der verschiedensten Zutaten wie Gewürzen, Kräutern, aber auch Gemüse. Eben was so in der Küche gebraucht wird um es direkt zu verwenden oder auch besser aufbewahren zu können.

Ob der mutmaßliche Reibestein aus einer Küche eines der sich auf der Unterburg befindlichen „Burgmannenhäuser“ stammt oder auf anderem Wege dorthin gelang ist lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen.

Quelle:

Recherche Andreas Rauch

Dr. Michael Kirchschlager, Historiker und Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung

Kräuterseminar ACKERSCHACHTELHALM /ZINNKRAUT Veranstaltung mit Kräuterpädagogin Christel Trost Termin: 28. Juli 2026 von 19.00 – 21.00 Uhr, im „Rittersaal“ auf Burg Lichtenberg

ACKERSCHACHTELHALM – equisetum arvense

Der Ackerschachtelhalm, auch Zinnkraut genannt ist eine uralte Pflanze, die, wenn auch in etwas anderer Form, schon seit der Urzeit auf unserer Erde existiert.

Als Heilpflanze hat das Kraut ein großes Wirkspektrum – wobei der hohe Gehalt an Kieselsäure eine Besonderheit darstellt. Diese wirkt gewebsfestigend, blutstillend und stärkt Knochen, Zähne, Haut und Haare.

Auch die Wirkung auf Erkrankung von Blase und Nieren ist seit langem bekannt.

Als Badkraut ist er auch äußerlich vielseitig einsetzbar.

Erfahren Sie mehr bei dem Kräuterseminar auf Burg Lichtenberg. Hier kommen Sie der Natur wieder ein Stück näher und lernen die Wirkung der Pflanzen neu zu schätzen und zu würdigen.

Im Rahmen des Seminars wird pro Veranstaltung eine Pflanze detailliert vorgestellt.

Sie erfahren, wo und unter welchen Bedingungen sie wächst, wann und wie sie geerntet, gelagert, verarbeitet und verwendet wird.

Das Seminar findet im Rittersaal auf Burg Lichtenberg statt. Bitte eine Tasse/Glas, Löffelchen, Gabel und Schälchen mitbringen.

Die Gebühr für die zweistündige Veranstaltung beträgt 15,00 € pro Person.

Anmeldungen unter 06381-8429 (bitte erst ab 10.00 Uhr) oder unter burg-lichtenberg@kv-kus.de.

Mittelalterliche Pflanzenfarben & Modern Art am 15 & 16 August 2026 auf der Burg Lichtenberg/Pfalz

Lernen Sie heimische und exotische Pflanzenfarben kennen und selbst zuzubereiten. Gestalten Sie modern und frei Ihre Leinwand oder Ihr Papier. Die bildende Künstlerin Judith Boy zeigt in einem 2-tägigen Kurs, was mit Naturmaterial und Dynamik möglich ist. Lassen Sie sich überraschen von einer uralten Magie in neuer Anwendung und tauchen Sie in eine ganz besondere, sinnliche Art der Kunstgestaltung ein. Die unendlichen Möglichkeiten wird Sie überraschen Keine Vorkenntnisse erforderlich! Bringen Sie bitte mit: Papier (saugfähig!) oder Leinwand, Wasserbecher, Pinsel, Spachtel, Stifte, Wachskreiden, Acrylbinder, Weiße und Schwarze Acryl Farbe, Schere, Zeitung, Essig, Salz, gute Laune und Experimentierfreude. Mindestens Teilnehmerzahl 4 Personen, Maximale Teilnehmerzahl 13 Personen Kosten: 60 Euro/Person Zeiten: Samstag den 15 August von 10 bis 13 Uhr, Sonntag den 16. August 10 bis 12 Uhr

Ort: Hufeisenturm Burg Lichtenberg

Anmeldung: Burgverwaltung Lichtenberg (ab 10 Uhr), Telefon 06381 8429,

E-Mail: Burg-Lichtenberg@kv-kus.de und info@judith-boy-art.com

Burg“Einblicke“ – „Altarnische“ im „Ostpalas“ auf der Oberburg

Auf der Oberburg von Burg Lichtenberg befindet sich der sogenannte „Prinzen-„ oder „Ostpalas“.

In der östlichen Giebelwand dieses Gebäudes ist eine sogenannte Hauskapelle in Form einer Altarnische vorhanden – doch was ist es genau? Dieser Frage soll hier nachgegangen werden.

Hauskapellen sind wie Tor- und Turmkapellen in einen anderen Baukörper eingegliedert.

Bei diesen Gebäuden handelt es sich ganz allgemein gesprochen um Wohnhäuser. Es spielt keine Rolle, ob es ein in einer Stadt gelegenes Bürgerhaus oder einen Palas oder Wohnturm in einer Burg betrifft. Hauskapellen können einen ganzen Saal einnehmen oder nur aus einer häufig zum Raum hin verschließbaren Altarnische bestehen.   Von außen sind Altarnischen meist mittels Erker oder Fenster baulich gekennzeichnet, was ihnen eine repräsentative Note verleihen kann.

Das Aufkommen der Hauskapellen lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen und wird mit einem Wandel in der Frömmigkeit erklärt.

Der Glaube der Laien verfestigte sich nicht zuletzt aufgrund der Kreuzzüge, so dass sich im Alltag Geistlichens und Weltliches durchdrangen. Dies hat auch in der Bauform seinen Ausdruck gefunden, indem Sakral- und Profanraum in der Hauskapelle zu einer Einheit verbunden wurden.

Im sogenannten Ostpalas der Oberburg der ursprünglich gräflich-veldenzischen Lichtenberg werden, basierend auf einem Inventar von 1625, die Wohnräume des Burgherrn vermutet. Dort ist in der östlichen Giebelseite im Erdgeschoss eine Hauskapelle in Form einer Altarnische eingefügt. Auf der Aussenseite der Giebelmauer, also von Osten gesehen, erweist sich die Altarnische als flacher, auf Konsolen vorkragender Erker.

Die Öffnung zum Altarerker besteht aus einem hohen und breiten, leicht angespritzten Bogen Früher war die Erkeröffnung vermutlich durch hölzerne Flügeltüren verschließbar und konnte auf diese Weise vom profanen Saalbereich geschieden werden. Der Bogen verdeckt links und rechts in den Nischeninnenseiten einen zur Aufbewahrung der liturgischen Ausstattung dienenden (verschließbaren?) Wandschrank sowie Piscina (Wasserbecken, in welchem der Priester Hände und Kelch wusch).

Zentral in der Rückwand der Nische eingelassen befindet sich eine weitere kleinere rundbogige Nische.

Sie ist mit einem hochrechteckigen Fenster sowie auf der Innenseite mit einer abgeschrägten Sohlebank ausgestattet. Gerade die Rückwand dieser Innennische zeichnet sich durch eine besonders sorgfältige Ausführung des Mauerwerks aus – im Gegensatz zu der ansonsten am Ostgiebel angewendeten Mauertechnik. Das Erdgeschoss könnte laut Tenor der jüngsten Forschungen anhand der außen je paarweise mit spitzbogigem Blendwerk versehenden Fenster (an der nördlichen Langseite des Ostpalas) stilistisch ungefähr in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werde. Der Altar im Ostpalas, d.h. die Hauskapelle, wird 1444 in einer Kellerei-Rechnung zusammen mit der Kapelle in der unteren Burg erwähnt. Im Erdgeschoss-Saal des Ostpalas, zu dem sich der Altarerker öffnet, erhielten zu dieser Zeit offenbar ein größerer Kreis von Burgbewohnern am Gründonnerstag und am Ostersonntag die Vollkommunion, d.h. das Abendmahl in zweierlei Gestalt mit Brot und Wein. Ansonsten dürfte die Hauskapelle der privaten Andacht der gräflich-veldenzischen Familie samt vielleicht noch einem kleinen Personenkreis aus der engeren Umgebung der Veldenzer vorbehalten gewesen sein.

Quelle:

Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz 107. Band, Speyer 2009

Recherche Andreas Rauch, Burgverwaltung

Burg“Einblicke“ – Mangenstein

Wenn gegraben wird können mehr oder weniger neuere oder ältere, aber oft interessante Sachen gefunden werden.

Vor Allem bei einem so historischen Gelände wie Burg Lichtenberg.

Bei der Neugestaltung der Wegebeleuchtung zur „Unterburg“ wurde ein fast runder Stein mit einem Durchmesser von ca. 11 cm und einem Gewicht von ca. 2,1 kg aus „Kuselit“ (also Zeug welches auf der Burg zur Genüge vorkommt) gefunden.

Die Form legt nahe, dass es sich um ein Geschoss handelt. Aber um welches genau?

Ein Besuch von dem Steinschleuder-Maschinen Experten Dr. Michael Kirchschlager brachte hierzu Näheres.

Nach dessen Ansicht handelt es sich um einen „Mangenstein“ aus dem 13. Jahrhundert.

Also um ein Geschoss für eine „Mange“ oder „Ziehkraft-Schleuder“.

Den meisten Lesern dürften aus Film und Fernsehen vor allem die großen Steinschleudern (Bliden oder Tribok) bekannt sein, welche mit einem Gegengewicht arbeiten und gewaltige Steinbrocken gegen Burg- und Stadtmauern werfen.

Im Gegensatz hierzu wird bei einer „Mange“ das Geschoß durch Ziehen an Seilen geschleudert – also eine Art handbetriebene Wippe.

Diese Technik ist älter als der Gebrauch eines Gegengewichts und die verschossenen Geschosse waren wesentlich kleiner und leichter.

Auf Burg Lichtenberg ist weder eine Mange noch eine Belagerung, in welcher eine solche genutzt wurde, bekannt. Hier gilt es noch Nachforschungen anzustellen.

Das heißt aber nicht, dass nicht eine Mange vorhanden war. Da diese vor Allem aus organischem Material bestanden hat wäre auch nicht viel davon übrig, vielleicht wurde sie auch weggebracht oder in späterer Zeit einfach verbaut oder verheizt? Wer weiß?

Quelle:

Recherche Rauch

Materialbegutachtung Dr. Sebastian Voigt, Urweltmuseum Geoskop

Mangenstein im Magazin Burg Lichtenberg

Michael Kirchschlager: Bliden und Blidensteine  (Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doctor philosophiae (Dr. phil)).