Burg”Einblicke” – Maschikuli in der Kernburg Lichtenberg

Betritt man die Kernburg – also den Bereich um den großen Bergfried, befindet sich links, gleich nach dem Eingang eine ca. acht Meter hohe Wehrmauer. Sie besitzt auf der Außenseite eine Reihe von Konsolen welche als einfache gotische Spitzbögen ausgeführt sind. Möglicherweise trugen sie einen Wehrgang mit hölzerner Hurde oder einer steinerner Brüstung (Christel Bernard Bugenlexikon Band III – Lichtenberg). Steht man aussen an besagter Wehrmauer unterhalb der verbliebenen Spitzbögen ist eine Reihe von Öffnungen zwischen den Bögen zu erkennen.

Hierbei könnte es sich um einen Maschikuli oder auf deutsch „Wurflochreihe“ handeln.

Der Maschikuli ist eine an der Außenmauer von Wehrbauten zwischen zwei Konsolen (Kragsteinen) ausgesparte Wurf- oder Gussöffnung. Er tritt in Reihen angeordnet an einem vorkragenden Wehrgang oder an der Unterseite eines Wehrerkers auf. Der Maschikuli diente zur Bekämpfung von bis direkt an den Mauerfuß vorgerückte Angreifer, die durch die herkömmlichen Scharten nicht mehr zu erreichen waren.

Es wird davon ausgegangen, dass die Bauweise der Maschikulis im 12. Jahrhundert von den Kreuzfahrern aus dem syrisch-palästinensischen Kriegsgebiet zuerst nach Frankreich mitgebracht wurde.

Dies würde auch durchaus in die Entstehungszeit „unserer“ Burg um 1200 passen.

Quellen:

Recherchen Rauch 

Burgenlexikon Band III – Lichtenberg

Wikiwand

regionalgeschichte

Burg“Einblicke“ – Das Kieselpflaster auf Burg Lichtenberg

Auf der Oberburg Richtung Bergfried und in der ehemaligen St. Georgkapelle ist ein gepflasteter Weg und mehr oder weniger auch eine gepflasterte Fläche aus Kieselsteinen zu finden.

Es wird immer wieder die Frage gestellt wie alt dieses Pflaster sein könnte.

Schon im Burgenlexikon Band III. wird durch die Archäologin Dr. Christel Bernard vermutet, dass das Kieselpflaster wohl jüngeren Datums sei.

Nun wurden durch Auswaschungen am Rande des Pflasters auf der Oberburg UNTER dem Pflaster Schlacke aus einer Schmiede freigelegt.

Dies könnte bei der Altersbestimmung weiterhelfen.

Auf Burg Lichtenberg existierte eine Zivilgemeinde, die sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem im freien Raum zwischen den Ruinen der Ober- und Unterburg gebildet hatte und  im Jahre 1910 der Gemeinde Thallichtenberg zugeschlagen wurde.

Die Einwohner stellten ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht vor Allem als Messer- und Nagelschmiede sicher. Die Waren wurden auf Märkten in den umliegenden Gemeinden verkauft.

Es kann angenommen werden, dass die gefundene Schlacke von einer dieser Schmieden stammt.

Da sich die Schlacke unterhalb des Pflasters befand muß dieses jünger als die Zivilgemeinde sein.

Ausserdem ist vergleichbares Pflaster,  verlegt um 1900, von verschiedenen Gemeinden und Bauernhöfen bekannt – ein weiterer Anhaltspunkt. Die Beschaffung des Stein- und sonstigen Materials, sowie die Verlegung war wohl mit höherem finanziellem Aufwand verbunden. Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Bewohner der Gemeinde welche sich eh um ihren Unterhalt Gedanken machen mussten ein solches Pflaster leisten konnten oder wollten.

Bereits 1895 wurde Burg Lichtenberg durch den preußischen Staat unter Denkmalschutz gestellt  und nach und nach Grundstücke aufgekauft. Erste Sicherungs- und Freilegungsarbeiten an der Burganlage erfolgten

Soweit so gut.

Nun kommt der 4.5.1914.

Seit 1914 ist die Burg durch eine Straße gut zu erreichen. Zu deren  Einweihung am 4.5.1914 war Großherzog Friedrich August von Oldenburg anwesend. In einem filmischen Zeitdokument ist zu erkennen wie der Großherzog strammen Schrittes zur Oberburg und dabei über besagtes Kieselpflaster läuft.

Eine Verlegung könnte daher zwischen 1895 und 1914 erfolgt sein.

Die Schlussfolgerung:

Das Pflaster könnte aus der Zeit der Sicherungsarbeiten am Anfang des 20. Jahrhunderts (s. Behr 1911) stammen und wäre damit etwas über 100 Jahre alt.

Quelle:

Recherche Andreas Rauch, Burgverwaltung

Burgenlexikon Band III/Burg Lichtenberg

Korrespondenz mit Frau Dr. Christel Bernard

 

Burg“Einblicke“ – Funde: Ofenkachel 15. oder 16. Jahrhundert

Auf der Nordseite der „Oberburg“ stehen noch die imposanten Aussenmauern des „Ostpalas“, des „Herrenhauses“, des „ Palas Nobile“ wie auch immer man ihn nennen mag.

Einst Mittelpunkt des adligen Lebens zerfiel er nach dem Untergang der „alten Zeit“ mehr und mehr bis schließlich kaum etwas von seiner ehemaligen Pracht, wenn diese auch noch erahnt werden kann, übrigen geblieben war.

Ab und an findet man noch Zeugen und Überresten aus dieser Vergangenheit.

So wie diese Ofenkachel, wahrscheinlich aus dem 15. Oder 16. Jahrhundert. Da sie direkt unterhalb des Palas im Hang gefunden wurde kann davon ausgegangen werden, dass sie einst zu einem prachtvoll verzierten Kachelofen gehörte. Vielleicht bringt die Zeit ja noch mehr ans Tageslicht.

 

Quelle:

Recherche und Fund Andreas Rauch, Burgverwaltung

Datierung Jochen Braselmann, Annweiler

Burg“Einblicke“ – Hohlziegelfunde

Von Zeit zu Zeit werden nördlich unterhalb der Ostpalas mehr oder weniger große Fragmente von fast halbrunden Tonziegel mit einer „Nase“ gefunden.

Allgemein werden solche Ziegel aufgrund ihrer starken Wölbung als „Hohlziegel“ bezeichnet.

Hohlziegel wurden sowohl als First- und Gratziegel aber auch als Dachdeckung verwendet.

Die auf Burg Lichtenberg gefundene Ziegelart ist  bereits seit der Romanik (grob vor 1200) im Elsaß nachgewiesen.

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auch auf Dächern unserer Burg Lichtenberg lagen, sofern kein Schiefer, Schindeln oder Stroh verwendet wurde.

Der Ost- oder Prinzenpalas auf Burg Lichtenberg wurde im mittleren 13. oder frühen 14. Jahrhundert errichtet. Wie der Name „Prinzenpalas“ schon andeutet, wurde er als  „Herrenhaus“ der Burg errichtet und damit ist zu vermuten, dass die Dacheindeckung nicht einfach aus Stroh oder Schindeln bestand sondern eher aus höherwertigen Tonziegel.

Aus der heutigen Pfalz ist die sogenannte  „Priebendeckung“ bekannt.

Hierbei werden die Ziegel mit Hilfe der „Nase“ in die Dachlattung eingehängt –  die halbrunde Wölbung zeigt nach unten, die Rinne entsprechend nach oben.

Die Ziegel werden von oben nach unten in einer Reihe gedeckt und der dabei entstehende Stoß zu den rechts und links liegenden Ziegelreihen mit Lehm abgedichtet.

Das würde auch die Tonziegelfunde erklären, wobei immer ein gewisses Grad an Unsicherheit, vor Allem im Hinblick auf die Eindeckungstechnik, bleibt.

Quelle:

Dr. Stefan Ulrich, Neustadt an der Weinstraße

Dachziegelfunde

Recherche Rauch, Burgverwaltung