Keramikteller von 1740

„Es ist kein grösser Pein auff diser Welt, als wo die Weiwer Mester sint Anno 1740“, so lautet die Umschrift eines floral bemalten und glasierten Keramiktellers von 1740, dessen Scherben im Jahr 1964 beim Aushub der Fundamente zum Erweiterungsbau der Gaststätte auf Burg Lichtenberg von gefunden wurden. Es war dem in Thallichtenberg ansässsigen „Heimatverein Burg Lichtenberg“ zu verdanken, dass die Fragmente beim Rheinischen Landesmuseum Trier neu zusammengesetzt wurden. Heute ist das wertvolle restaurierte Schmuckstück wieder im Museum in der Zehntscheune zu bewundern. Die für uns amüsant anmutende Umschrift gibt wohl Kunde alter Weisheit oder böser Erfahrungen eines Töpfers. Der vor 279 Jahren gefertigte Teller hat einen Durchmesser von 31 cm und eine Höhe von 8,4 cm. Er fällt in die barocke Zeit des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken, das mit der französischen Besetzung 1792 sein Ende fand.

Spätmittelalterlicher Grapen

Immer wieder wurden auf Burg Lichtenberg interessante archäologische Funde gemacht. Am 27. Oktober 1961 wurde die Schuttschicht des zweiten nördlichen Zwingerturmes („Gesprengter Turm“) von Mitgliedern des in Thallichtenberg ansässigen „Heimat- und Verkehrsvereins Burg Lichtenberg“ ausgeräumt. Dabei kam ein stark karossierter Dreibeintopf zum Kochen, ein sogenannter Grapen, zum Vorschein. Grapen waren vom Hochmittelalter bis weit in die Neuzeit beliebt. Das historische Fundstück von Burg Lichtenberg ist 20 cm hoch und hat einen Durchmesser von 14 cm. Bei einer früheren Bewertung wurde es von Experten in die Zeit um 1300 eingeordnet. Die Erstbeschreibung lautete wie folgt: „Gefäß aus Zinn, auf drei Füßen ruhend, bauchig, mit einem umgelegten breiten Rand, im oberen Teil stark beschädigt und etwas eingedrückt. Die eingebrochenen Teile sind zum größten Teile noch vorhanden“. Der mit zwei Henkeln versehene Grapen besteht jedoch aus Buntmetall (Bronze) und ist somit im Gegensatz zu eisernen Grapen als ein Gebrauchsgut eines gehobenen Haushalts anzusehen

Spätmittelalterliches Kinderspielzeug

Im Jahre 1961 wurde auf Burg Lichtenberg der zweite nördliche Zwingerturm, im Volksmund „Gesprengter Turm“ genannt, von Mitgliedern des „Heimat- und Verkehrsvereins Burg Lichtenberg“ ausgeräumt. Dabei kamen im Bauschutt dieses Rondells, das im oberen Teil als Schuttabladeplatz diente, zwei kleine dekorative Objekte aus grau-weißem Ton zum Vorschein. Zunächst nahm man an, dass es sich um dreibeinige Unterteile eines mittelalterlichen Öllichtes handele. Die Funde wurden dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer vorgelegt und schließlich als spätmittelalterliches Kinderspielzeug aus der Zeit um 1400 gedeutet. Die Fragmente sollen die Vorderteile von Pferdchen mit Kopf, Brust und Vorderbeinen darstellen. Eines ist 7,4 cm hoch und unbemalt, das andere 6,8 cm hoch und mit braunen Streifen verziert. Die beiden Tierfiguren – echte Raritäten – sind heute wieder im Museum in der Zehntscheune zu bewundern. Der „Gesprengte Turm“ soll übrigens im Jahr 1677 während einer Besetzung der Burg eine formale, symbolische Sprengung durch den französischen General Bussy erlitten haben.

Wappen der Familie Blick

Wie im 13. Jahrhundert alles begann
Burg Lichtenberg zeigt sich erstmals 1214 im Licht der Geschichte als „Castrum Lichtenberg“.

Graf Gerlach III. von Veldenz errichtete zu Beginn des 13.Jh. die Burg widerrechtlich auf dem Besitz des Benediktinerklosters St. Remigius in Reims, deren Vogt er war. Das Mutterkloster St.Remi in Reims verklagte den Grafen daraufhin beim königlichen Hofgericht.

Am 22. November 1214 verkündete König Friedrich II. auf dem Hoftag in Basel das Urteil des königlichen Hofgerichts, wonach der Graf die Burg Lichtenberg abreißen solle. Wie lange die Burg zu jener Zeit schon bestanden hatte ist nicht bekannt. Als ziemlich sicher gelten darf jedoch, dass die Anlage trotz der königlichen Abrissverfügung weiterbestand und die Grafen von Veldenz weiterhin die Schutzvögte der Propstei blieben.

Die heute noch gut erkennbaren Teile der Burg sind nicht gleichzeitig, sondern nacheinander entstanden und wurden erst später zu einem Komplex zusammengefügt.

Begonnen wurde um 1200 mit dem westlichen Teil, der langgestreckten Unterburg. In ihr befanden sich der Palas, die Wirtschaftsgebäude, die Burgkapelle, ein etwa 65 Meter tiefer Brunnen und eine Zisterne. Ihre günstige Lage auf dem äußersten Bergrücken erforderte lediglich eine besondere Absicherung nach Osten. Eine mächtige Schildmauer, ein Bergfried und ein später zugeschütteter Halsgraben boten ausreichend Schutz auf der Angriffsseite. Diese Burg war bis zum Ende der Feudalzeit der Wohnort der Burgmannen, von denen das Geschlecht der Blick von Lichtenberg an Bedeutung besonders herausragt.

DAS STEINERNE WAPPEN der Familie Blick

Als einziges steinernes Wappen eines ritterlichen Burgmannengeschlechts von Burg Lichtenberg ist erfreulicherweise ein Ehewappen der „Blick von Lichtenberg“ in der Zehntscheune erhalten geblieben. Die Burgmannen, die für den Schutz von Land und Menschen eingesetzt waren, hatten ihren Sitz auf der Unterburg. Wolfgang Blick war pfalz-zweibrückischer Amtmann und letzter seines Geschlechts auf der Burg, wo er im Jahre 1612 an der Pest verstarb. Er hatte 1578 seine zweite Frau Maria Salome Blick von Lichtenberg geheiratet. Das Wappen, das sich einst an dem 1839 abgebrochenen Wohnhaus der Familie auf der Unterburg befand, zeigt auf dem Schild drei schreitende goldene Löwen. Über dem Helm sitzt ein gekrönter Löwe zwischen zwei Büffelhörnern. Das schmuckvolle Objekt befand sich schon an den unterschiedlichsten Stellen. In den 1880er Jahren soll es nach Baumholder ans Haus des Metzgers und Wirtes Licht gelangt sein und war – zurück auf der Burg – von 1906 bis 1963 aus dekorativen Gründen über der Tür der Landschreiberei eingebaut. Es wurde in der Folge aufgrund starker Verwitterungsschäden ins Burgmuseum gebracht und danach in eine Wand im zweiten Stockwerk der 1979-82 wieder errichteten Zehntscheune eingebaut. Die niederadelige Familie der Blick wohnte ca. 300 Jahre auf der Burg, wo sie zeitweise vier Häuser besaß. Die in alten Urkunden oft erwähnte Familie, deren Erbe später an die Freiherren von Günterode ging, hatte sogar einen speziellen Stuhl in der alten Burgkapelle. Schanette Blick, Tochter von Henne Blick von Lichtenberg, war übrigens eine Urgroßmutter des legendären Franz von Sickingen, dessen Grabmal in der St.-Andreas-Kirche in Landstuhl ebenfalls das Blick‘sche Wappen trägt.

Quellen: Auszug aus dem Manuskript für die Denkmaltopographie Kusel, Jan Fickert und www.heimat-pfalz.de

Kachelfragment mit Lucretia-Bild

Eine kleine Zeitreise – und dabei gehen wir zurück bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts.

Ein interessantes Kachelfragment wurde 1960 als Streugut bei Ausgrabungen am zweiten nördlichen Zwingerturm von Burg Lichtenberg gefunden. Das aus rot-gelbem Ton gebrannte und unglasierte Fundstück (l= 10,5 cm, b = 6 cm) soll nach Ansicht der Experten des Historischen Museums in Speyer einem Kachelofen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts entstammen. Da die Kacheln der beiden ehemaligen großen Kamine von Ost- und Westpalas bekannt waren, wurde angenommen, dass das Fragment den Ofen in „des Herzogs Schlafkammer“ in der zweiten Etage des Ostpalas geziert habe oder aus dem Südpalas stamme. Das dargestellte, mythische Motiv der sich erdolchenden Lucretia – eine tugendhafte Figur der legendären römischen Frühzeit – war beliebt auf Kacheln und Takenplatten. Die Ehefrau des Tarquinius Collatinus beging Selbstmord, weil sie von dem Königssohn Sextus Tarquinius vergewaltigt wurde. Das führte zum Aufstand der Römer gegen dessen tyrannischen Vater und letzten römischen König Lucius Tarquinius Superbus. Dessen Vertreibung hatte zugleich den Beginn der Römischen Republik 509/510 vor Christus zur Folge. Die sagenhafte Geschichte inspirierte Literaten und Künstler von der Antike bis in die Moderne.

Weintrinkkrügelchen aus der Reformationszeit

Das Museum in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg ist im Besitz zweier gelbtöniger „Weintrinkkrügelchen“ aus Siegburger Steinzeug. Sie stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der Reformationszeit. In den Jahren 1962/1963 wurden Fragmente fünf solcher Objekte bei Ausräumungsarbeiten des verschütteten Gewölbekellers des einstigen Amtshauses, das sich östlich der Zehntscheune befand, entdeckt. Auf Initiative des Heimatvereins Burg Lichtenberg wurden sie vom Rheinischen Landesmuseum in Trier wieder zusammengesetzt und restauriert. Siegburger Steinzeug wurde im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit im rheinischen Töpferort Siegburg-Aulgasse produziert und in ganz Europa gehandelt. Einst wurde der Wein direkt aus dieser beliebten Krugform mit engem Hals und Trichter, zum Ansetzen an den Mund, getrunken. Von den ursprünglich fünf – ein sechstes Exemplar wurde in den 1970ern gefunden – vorhandenen Schmuckstücken dieser Gebrauchskeramik sind leider nur noch zwei im Bestand erhalten geblieben. Vier Exemplare waren jeweils mit drei gleichen Ornamenten verziert, deren Abbilder von Museumsexperten im Jahr 1966 beschrieben wurden: Das 15,8 cm hohe, noch vorhandene Exemplar stellt dreifach das Abbild einer Frau dar, die das Kreuz und einen Kelch in ihren Händen hält, vielleicht die Personifikation des Glaubens (im Foto rechts). Ein weiteres 14,2 cm hohes, noch vorhandenes Krügelchen zeigt dreifach den Kopf eines Landknechtes (im Foto links). Ein drittes Krügelchen repräsentierte möglicherweise die biblische Szene nach Math. 9, in der Jesu den Blutgang einer Frau stillt, und ein viertes zeigte den Abdruck einer Rosette.

Spätmittelalterlicher Grapen

Immer wieder wurden auf Burg Lichtenberg interessante archäologische Funde gemacht. Am 27. Oktober 1961 wurde die Schuttschicht des zweiten nördlichen Zwingerturmes („Gesprengter Turm“) von Mitgliedern des in Thallichtenberg ansässigen „Heimat- und Verkehrsvereins Burg Lichtenberg“ ausgeräumt. Dabei kam ein stark karossierter Dreibeintopf zum Kochen, ein sogenannter Grapen, zum Vorschein. Grapen waren vom Hochmittelalter bis weit in die Neuzeit beliebt. Das historische Fundstück von Burg Lichtenberg ist 20 cm hoch und hat einen Durchmesser von 14 cm. Bei einer früheren Bewertung wurde es von Experten in die Zeit um 1300 eingeordnet. Die Erstbeschreibung lautete wie folgt: „Gefäß aus Zinn, auf drei Füßen ruhend, bauchig, mit einem umgelegten breiten Rand, im oberen Teil stark beschädigt und etwas eingedrückt. Die eingebrochenen Teile sind zum größten Teile noch vorhanden“. Der mit zwei Henkeln versehene Grapen besteht jedoch aus Buntmetall (Bronze) und ist somit im Gegensatz zu eisernen Grapen als ein Gebrauchsgut eines gehobenen Haushalts anzusehen.